KARUNA e.V. Berlin
Schule des Lebens
Wir, die Non-Profit-Organisation KARUNA e.V. kümmern uns mittlerweile seit über sechszehn Jahren in verschiedenen Projekten und Einrichtungen um Straßenkinder und um suchtgefährdete und
suchtkranke Kinder und Jugendliche in Berlin. Zudem sind wir stark im präventiven Bereich tätig, um durch gezielte Aufklärungsarbeit Kindern
und Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung ohne Kompensation durch Suchtmittel bzw. Suchtverhalten zu verhelfen. Vielleicht kennen Sie bereits
eines unserer Präventionsprojekte, wie zum Beispiel den von uns im Jahr 2005 entwickelten interaktiven Mitmach-Parcours „Rauchst du noch oder lebst du schon?“
zur Tabakprävention, an dessen Stationen sich jährlich über 20 000 Berliner Schüler und Schülerinnen in spielerischen Aktivitäten, z.B. in Quizshows über die Wirkungen und
Suchtpotentiale von Tabak informieren und gesundheitsförderliches Verhalten vermittelt bekommen.
Ein Bericht von Monique Sturm
Jetzt sind wir gerade dabei eine Freie Schule aufzubauen, die Anfang 2007 in Berlin-Pankow ihre Pforten erstmal für vierzig Schüler und Schülerinnen öffnen wird. Das Schulkonzept ist in Deutschland einzigartig, denn es werden neben Kindern aus stabilen Familienverhältnissen gezielt Kinder
aus suchtbelasteten Familien in die Schule aufgenommen werden. Zur Zeit gibt es leider noch keine Schule, die speziell Kinder suchtkranker Eltern angemessen in die Schulgemeinschaft integriert und gezielt fördert. Dabei ist es unserer Meinung nach dringend notwendig. In Deutschland wachsen mittlerweile über 2,5 Millionen
Kinder unter 18 Jahren mit einem suchtkranken Elternteil auf. Allein in Berlin leben ca. 78 000 Kinder, deren Eltern zeitweise oder dauerhaft alkoholabhängig sind.
Bedingt durch die Abhängigkeit eines Elternteils ist die Familienatmosphäre häufig durch Instabilität, Unberechenbarkeit, Konflikte und soziale Isolation gekennzeichnet. Vor allem die Kinder fühlen sich häufig verantwortlich und leiden am stärksten unter der familiären Situation, da ihnen entsprechende
Bewältigungsmechanismen in der Regel völlig fehlen. Im Vergleich zu Kindern nicht suchtkranker Eltern haben diese Jungen und Mädchen zudem ein bis zu sechsfach höheres Risiko selber einmal abhängig zu werden und fallen häufig durch psychische und soziale Störungen,
schlechtere Leistungen in der Schule und Schulverweigerung auf. Kinder drogenabhängiger Eltern müssen daher als eine der größten und am stärksten gefährdeten
Risikogruppen für Suchtstörungen und andere psychische Störungen ab der frühesten Kindheit angesehen werden. Trotzdem handelt es sich bei diesen Kindern immer
noch um eine vernachlässigte Problemgruppe in Forschung und Praxis und obwohl das Thema
„Kinder suchtkranker Eltern“ heute kein Tabuthema mehr ist, werden die Kinder häufig noch übersehen und frühzeitig notwendige Fördermöglichkeiten, zum Beispiel in der Schule bleiben aus. Dabei
ist gerade die Institution Schule neben der Familie ein zentraler Lebensraum für Kinder suchtabhängiger Eltern in dem sie unterstützt und gefördert werden können.
Genau an dieser Stelle wollen wir ansetzen. Für alle Schüler/innen soll die KARUNA-Schule ungeachtet von Nationalität, Herkunft,
Religion und Lebensanschauung ein wichtiger Lebensmittelpunkt werden, der von individueller Unterstützung, Verlässlichkeit und gegenseitiger Achtung geprägt ist. Jedes Kind soll sich wertgeschätzt fühlen und die Erfahrung
machen, wichtig zu sein und wahrgenommen zu werden. Das Schulleben wird dementsprechend durch eine offene, lernfreundliche Atmosphäre gekennzeichnet sein, in der die Lerninhalte primär auf
die speziellen Bedürfnisse und Fähigkeiten jedes einzelnen Kindes abgestimmt sind, ohne diese dabei zu überfordern. Die angemessene Betreuung und Unterstützung der Kinder wird durch die arbeitsfeldübergreifende Kooperation
von Lehrern, Sozialpädagogen, Kunsttherapeuten und Erziehern gewährleistet, die gemeinsam mit den Kindern den Schulalltag gestalten werden. Es geht vordergründig darum die positiven Eigenschaften, Stärken und Ressourcen jedes
Kindes zu erkennen, zu unterstützen und in der Gruppe anzuerkennen. Hier soll jedes Kind erfahren: Ich bin richtig, so wie ich bin und ich darf auch mal Fehler machen,
ohne das ich kritisiert und abgewertet werde. Eine wichtige Erfahrung, gerade für Kinder aus suchtbelasteten Familien.
Wie wird die Schule aussehen? Ein pas-sendes Schul- gebäude wartet schon auf seine Einweihung. Es handelt sich um ein
einladendes, großes Backstein-gebäude, dessen hohe Fenster viel Licht in die Räume eindringen lassen. Hier werden bald eine
Lernküche, mehrere Klassenzimmer, ein Spiel- und Hortbereich und ein Bewegungsraum entstehen. Ein kleines Haus hinter der
Schule wird zu einem Spielhaus ausgebaut und gemeinsam kreativ mit den Kindern
gestaltet. Der Schulhof wirkt mit seinem großflächigen Sandboden und den spärlichen Büschen und
Bäumen noch sehr trist. Dem möchten wir aber gerne in Form eines Wasserspielplatzes Abhilfe schaffen.
Warum haben wir uns gerade für einen Wasserspielplatz entschieden? Wir wollen das Element Wasser unmittelbar in das Schulleben ein-
fließen lassen. Denn Wasser besitzt in allen Kulturen und Religionen eine starke Symbolkraft. Es steht für den Ursprung des Lebens, den
Neuanfang, Gesundheit und Bewegung. Wasser ist elementare Vorraussetzung für das Leben und vielseitiges Gebrauchsmittel. Die Kinder können hier auf spielerische Weise
die Eigenschaften des Wassers kennen lernen und sich die Bedeutung und Nutzung des Elements erfahrbar machen. So lädt auch der
Schulhof zum Lernen ein und es können Fragen aufkommen wie z.B.: Wie sparsam muss ich mit dem Wasser umgehen? Unter welchen
Umständen und warum verdunstet und versickert Wasser? Wohin fließt das Wasser? Welchen Nutzen hat Wasser?
Zum vergnüglichen Spielen gehören aber auch soziale Leistungen, denn die Kinder müssen sich über die Nutzung des gesammelten
Regenwassers einig sein und sich gemeinsam mit verschiedenen Fragen, wie: Was können wir mit
Wasser machen? Können wir das Wasser stauen? Lassen wir Boote schwimmen? Wollen wir Brücken bauen? Gießen wir mit dem Wasser die Pflanzen im Schulgarten und, und, und … auseinandersetzen. Der
Wasserspielplatz soll ein Ort werden an dem die Kinder die Möglichkeit erhalten, herumzutoben, sich gemeinsam an den verschiedenen
Stationen des Spielplatzes mit dem Element Wasser auszuprobieren oder sich an dem angrenzenden Teich Ruhe und Erholung zu gönnen.
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