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MUTMACHER 02/ 2007
Im Garten des SONNNHOFes
MUTiges Eselreiten

Es ist Freitagnachmittag – René, ein aufgeweckter 13jähriger Junge reitet auf der Eselin Lotti durch den Garten des SONNENHOFes, lacht und hat enorm viel Spaß dabei. Das war nicht immer so, René war vor einiger Zeit durchaus nicht so fröhlich und ging auch nicht so mutig auf die Esel Lotti und Darwin, die Ziegen Billy und Ellie, die Schafe Sternchen und Luna zu. Wenn seine Mutter und er regelmäßig am Freitag in den SONNENHOF kommen, läuft er zuerst in den Streichelzoo und begrüßt Sabine, die liebevolle Tierpflegerin von M·U·T e.V., und natürlich die Esel, Schafe und Ziegen und Kaninchen.
Ein Bericht von Frauke Frodl, Pressesprecherin des Sonnenhofs der Björn Schulz Stiftung


Es dauert nicht lange und der Esel ist mit etwas Unterstützung von Sabine gezäumt und gesattelt. „Lotti muss doch fit bleiben“, ruft er stolz und aufrecht auf ihrem Rücken sitzend. Der Esel ist sehr geduldig und wenn Lotti doch wenig Sturheit zeigt, kann sich René ganz wunderbar bei ihr durchsetzen. „Das sind sehr schöne Erfahrungen, die ich ihm nur hier im SONNENHOF ermöglichen kann“, erklärt seine Mutter sanft lächelnd auf ihren kleinen „Wirbelwind“, wie sie ihn gern nennt, blickend. René hat in seinem kurzem Leben schon eine sehr schwere Erfahrung machen müssen. Er verlor vor drei Jahren seine Schwester Maria. Viele Jahre war sie schwerstkrank, die Mutter pflegte sie liebevoll und war auch immer für René da. Ein Spagat, der der zarten und sehr warmherzigen Frau enorm viel Kraft kostete. Dann lernten sie den SONNENHOF – einen Ort, in dem Familien mit einem schwer- und unheilbar kranken Kind, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Seite gestanden wird – kennen. Die kleine Familie wohnte einige Monate hier und konnte wieder Kraft tanken. Kinderkrankenschwestern und -pfleger nahmen der Mutter einen Teil der Pflege für Maria ab. Auch um René wurde sich intensiv gekümmert. Alle drei spielten und kochten im Wohnzimmer mit offener Küche des SONNENHOFes zusammen oder schmusten im Bett von Maria in ihrem lichtdurchflutetem Zimmer. Oft besuchten sie die Tiere im Streichelzoo, der von Mensch-Umwelt-Tier e.V. im Garten des Kinderhospizes SONNENHOF errichtet worden ist, betreut und finanziert wird. „Maria genoss es immer sehr, ein Kaninchen auf dem Schoß zu haben, dessen weiches Fell zu spüren oder auch regelmäßig die Esel zu füttern. Sie strahlte dann immer übers ganze Gesicht und steckt uns mit ihrem Lachen an“, erzählt die Mutter. „René hatte damals vor den Eseln und Ziegen durchaus großen ‚Respekt‘“. Maria war unheilbar krank und verstarb im Alter von 18 Jahren. In einem besonderen Abschiedsraum konnten Mutter und Bruder sowie Freunde und Verwandte in Ruhe von Maria Abschied nehmen. In diesen so schweren Tagen gingen sie auch immer wieder zu den Tieren in den Garten und erinnerten sich an die gemeinsamen Erlebnisse hier.

„Die Tiere im Streichelzoo sind auch eine Art Seelsorger für unsere Familien im SONNENHOF und haben eine hohe therapeutische Wirkung auf die erkrankten Kinder und deren Geschwister“, so Jürgen Schulz, Gründer des Kinderhospizes SONNENHOF in Berlin-Pankow. „Die natürliche Körperwärme und das für unsere taktilen Sinne sehr angenehme Fell wirken enorm beruhigend auf die Kinder und lösen sogar schwere Verkrampfungen. Bei Geschwisterkindern sorgt der Umgang oft für eine bedeutende Steigerung des Selbstbewusstseins."

MUTiges Eselreiten M·U·T e.V. macht Mut im SONNENHOF. René, der auch nach Jahren immer noch gern mit seiner Mutter am Freitag nach Pankow kommt, zeigt es uns. Beim dem regel-mäßigen Familiennach-mittag treffen sich Eltern, die ein Kind verloren haben, ein unheilbar krankes Kind pflegen, zur Zeit im SONNENHOF wohnen oder einfach schauen wollen, ob sie die hier angebotene Hilfe annehmen wollen und kommen einfach mal schnuppern. Auch dank der Attraktion des Streichelzoos können die Eltern in Ruhe miteinander reden, denn die mitgebrachten Geschwisterkinder tollen meist im Garten mit Tretrollern, -autos oder eben bei Lotti und Darwin herum. „Der SONNENHOF-Besuch am Freitag ist schon zum Ritual in unserer Familie geworden. Wir fühlen uns wohl und verstanden hier, müssen manchmal keine großen Worte machen“, erklärt ein Vater, seine neugeborene, gesunde Tochter stolz im Arm haltend. Vor einigen Jahren wohnten auch er, seine Frau, seine ältere Tochter und sein Sohn für einige Zeit im SONNENHOF. Sein Sohn wurde nur neun Jahre alt, auch er liebte Tiere sehr. Nicht weit weg vom Wintergarten, in dem der große Kaffeetisch steht, gibt es einen Erinnerungsgarten mit einem besonderen Teich. Hier liegen Steine mit den Namen von Kinder und Jugendlichen, die verstorben sind. Ihre Eltern bemalten sie. Auf einem Stein ist ein Adler abgebildet. „Das Lieblingstier meines Sohnes“, ergänzt der Vater. Neben dem Teich grasen heute die Ziegen und sparen den Rasenmäher, aber sie machen auch „Krach“: Das langgezogene, durchaus melodische Mäh von Billy, dem Ziegenbock, lässt alle lachen. René macht sich einen Spaß und neckt den Bock mit einem frischen Grasbüschel. Er tobt sich aus und seine Mutter hat Zeit zum Reden mit den anderen Eltern.

Auch Kinder aus der Nachbarschaft sind im Garten mit Roller und Fußball unterwegs. Sie haben keine Berührungsängste, finden den SONNENHOF, natürlich auch wegen des Streichelzoos, ganz toll. Schnell hat sich herumgesprochen, dass die Tierpflegerin Sabine am Freitagnachmittag die Esel zum „Ausritt freigibt“. Die Kinder aus der wenige hundert Meter entfernten Grundschule machen hier gern auf dem Nachhauseweg mit und ohne Eltern halt. „Wir freuen uns sehr, dass gesunde und erkrankte Kinder an diesem Ort unkompliziert zueinander kommen und manchmal sogar zusammen spielen. So hatten wir es uns von Anfang an vorgestellt. Der Streichelzoo baut dabei eine ganz wichtige ‚Brücke‘“, so Jürgen Schulz.

Mensch·Umwelt·Tier (MUT!) e.V. macht seinem Namen auch im SONNENHOF alle Ehre und füllt ihn mit viel, viel Leben. Danke sagt von ganzem Herzen Frauke Frodl, Pressesprecherin des SONNENHOFes


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