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MUTMACHER 03/ 2007
Landpartie mit M·U·T!
Jugendhof und viele Hunde

Anlässlich einer Einladung zur diesjährigen „Landpartie“ am 10. Juni hatten einige neue Mitarbeiter von M·U·T e.V. die Gelegenheit, den Jugendhof Brandenburg in Berge bei Nauen zu besuchen. Die Landpartie findet jedes Jahr statt und bietet eine wunderbare Gelegenheit die Einrichtung in Ruhe zu besichtigen.
Ein Bericht von Alexandra Diezemann, Pressesprecherin M·U·T e.V.

So trafen wir uns am Sonntag morgen um 10 Uhr am Bahnhof Spandau und fuhren nach Berge, ein kleines beschauliches Dörfchen im Land Brandenburg. Frau Kelb und Herr Jahnke des Jugendhofs erwarteten uns bereits freudig. Nach einer kleinen Erfrischung erhielten wir zusammen mit ein Paar anderen Interessenten eine komplette Führung über den Jugendhof, der derzeit 17 Jugendliche beherbergt und ihnen einen Weg in ein selbstständiges Leben ermöglichen will. Die Jugendlichen, die hier leben, hatten es im Leben nicht immer leicht. Ihr Verhalten selbst war oder ist zum Teil noch oftmals von Aggression und Gewaltbereitschaft geprägt, andere scheinen zu sozialem Umgang kaum fähig. Es scheint wie die gelebte Konsequenz einer vernachlässigten und nicht ausgelebten Kindheit. Die Quittung kommt eben immer – und hier muss geholfen werden.

Zunächst wurden die Pferdestallungen inspiziert. Denn die Pferde sind ein wichtiger Teil des Integrations- und Resozialisierungsprogramms. Mittels einer von Frau Kelb regelmäßig durchgeführten Reittherapie erleben die Kids den Umgang mit Lebewesen, welcher stets mit Respekt und Verantwortung einher gehen sollte. Die stattliche Größe der Tiere tut dann ein übriges und der spielerische Umgang mit den Tieren fördert das Selbstbewusstsein der Heranwachsenden und bereitet vielen auch einfach sehr viel Freude. Über die Wiesen marschierten wir dann, um auf der Koppel den ganz neu angeschafften Knappstrupper „Ole Pünktchen“ (wir berichteten in Ausgabe 1/2007) zu besuchen und kennen zu lernen. Nach einigem Zögern kam er auch neugierig an die große Menschengruppe und fand großen Gefallen daran, die Schuhe oder wahlweise die Handtaschen der Besucher anzuknabbern. Wie ein Hündchen folgte er uns auch zum Gatter zurück. Sehr hübsch, der Neue!

Ein kleiner Schlenker nach links und schon standen wir vor den kleinen Häuschen in denen die Jugendlichen ihre Zimmer und den Gemeinschaftsraum haben. Die Zimmer richten sich die Jugendlichen zum Teil selbst her und sind frei in der Gestaltung. Sehr angenehm ist die in der Wand fest installierte Kupferheizung, die nicht nur eine wohlige Wärme schenkt, sondern auch weniger umweltbelastend ist. Wieder hinaus ging es über den Hof in das Kreativhaus in dem neben einem Tischtennisraum auch ein Bastelraum ist. Den Ideenreichtum der Jugendlichen konnte man anhand einiger ausgestellter Exponate sehr gut erkennen und diese ließen erahnen, dass die Lebensperspektive der einzelnen so duster nicht mehr sein kann – waren hier doch eher frische und fröhliche Farben in der Überzahl.

Berührt von den vielen Ein-
drücken, liefen alle M·U·T Mit-
arbeiter lustig schnatternd zu den aufgestell-
ten Biertischen an denen sich alle erst mal über das wahr
lich köstliche Essen her-
machten.

Schnell wurden noch ein Paar der frisch gebackenen Brotlaiber eingepackt und schon ging es mit dem Auto weiter durch die herrlich blühende Landschaft der Prignitz. Denn wir besuchten im Anschluss noch unseren Projektpartner „Mensch und Tier – Verein der tiergestützten Therapie e.V.“ von der lieben Frau Fischer-Finzelberg in Viesecke. 32 Pfoten begrüßten uns stürmisch und es dauerte einen Augenblick bis sich das Gewusel der acht irischen Setter beruhigt hatte. Frau Fischer hatte im Garten zum Kaffee und zu Kuchen gebeten. Ein reger Austausch fand statt, da unser letzter Besuch hier doch einige Zeit zurück lag. Die Labradorhündin „Barina“ bemühte sich während der Gespräche immer darum, doch der Star der Runde zu sein und „apportierte“ den einen oder anderen Mitarbeiter, indem sie vorsichtig den Unterarm ihres erwählten Opfers zwischen die Zähne nahm. Maya, die Tochter von Jessica Munck, hatte großen Respekt vor den vielen Hunden, die zu allem Überfluss auch noch sabberten, was der kleinen achtjährigen „Prinzessin“ nicht so ganz gefiel. Doch nach einiger Zeit konnte man beobachten, wie sie ganz selbstsicher einen Hund an der Leine über den rückwärtigen Hundeparcours führte. Alle Hunde von Frau Fischer sind wahre Schmusekönige. Dies macht sie natürlich besonders beliebt bei allen Gruppen, die Frau Fischer mit ihren stolzen 83 Jahren noch immer selber betreut. Die Gruppen bestehen entweder aus Bewohnern der Lebenshilfe e.V. oder sind kleinere Grüppchen von Menschen mit Behinderungen oder mit Schwächen, die durch die pure Anwesenheit der Hunde schon gelindert werden. Gegen 17 Uhr brachen wir schließlich auf und fuhren wieder nach Berlin. Es bedarf nicht so wahnsinnig viel, wenn man Menschen helfen möchte – das wird einem bei diesen Besuchen immer wieder deutlich vor Augen geführt. Allein, wenn man den Umgang mit der Natur und den Tieren ermöglicht, hat man die Pforten für eine Verbesserung der Lebensqualität weit geöffnet. Die Anwesenheit der Hunde schenkt Geborgenheit und Heiterkeit. Man scheint gelöst und entspannt. Dies wiederum ist die beste Voraussetzung um effektiv am Selbstbewusstsein derjenigen zu arbeiten, die, alleine gelassen, einer oftmals recht harten Umwelt ausgesetzt sind. Den Jugendlichen auf dem Jugendhof wird ein Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft geebnet und ihr neu erlernter Umgang mit der Natur und den Pferden schenkt Energie und Kraft.

Für das kontinuierliche Engagement beider M·U·T-Partner möchten wir uns herzlich bedanken und nutzen auch gerne einmal die Gelegenheit, unsere Anerkennung für die hervorragende Arbeit auszusprechen! Und Ihnen, liebe Mitglieder von M·U·T, und damit echten M·U·T machern, ein herzliches Dankeschön für Ihre Unterstützung!


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