Winter ade? Der Frühling naht? Ist schon der richtige Zeitpunkt für die Aussaat angerückt? Sollten die Bäume schon jetzt beschnitten werden? Die Jahresuhr genau zu beobachten heißt, die sensiblen Zeichen der Natur einmal anders als gewohnt in Augenschein zu nehmen.

Ein Bericht von Beate Kitzmann

Kennen- und Lesenlernen können Sie die charakteristischen Boten der Jahreszeiten auf dem neu angelegten phänologischen Pfad auf unserem offenen Hofgelände und im Garten. An zehn Wegtafeln, die den zehn Phasen des phänologischen Kalenders entsprechen, entdecken Sie als Besucher beispielsweise einen für den Vorfrühling markanten Strauch und anschließend einen für den Spätsommer repräsentativen Baum. Auf diese Weise werden bestimmte Entwicklungsstadien vieler Zeigerpflanzen vorgestellt, die die genauen Jahreszeiten wie „Vor-“, „Erst-“ und „Vollfrühling“ usw. symbolisieren. Der Naturforscher Carl von Linné war Mitbegründer der Phänologie und beschrieb die erste „Blumenuhr“, die die Uhrzeit anhand vom Öffnungsgrad gewisser Blüten angab.

Das Wort Phänologie entstammt dem Griechischen und beschäftigt sich mit der Lehre von periodisch wiederkehrenden Erscheinungen in der Natur. Beispiele dafür sind der Blühbeginn gewisser Gräser oder Gehölzpflanzen oder die Rückkehr bestimmter Zugvögel. Die Anzeichen für Start und Ende der jeweiligen Phase können regional unterschiedlich sein. Diese komplexen Daten werden in zahlreichen Bereichen wie der Klimaforschung und der Landwirtschaft eingesetzt.

In Deutschland gibt es heute etwa 1.300 Beobachtungsstellen, welche von Landwirten, Förstern, Hobbygärtnern und Naturliebhaber betreut werden und welche die gesammelten Daten dem Deutschen Wetterdienst zur Verfügung stellen. Die Auswertung dieser langfristigen Beobachtungen dient nicht nur der Klimaforschung und Meteorologie, sondern auch der Botanik, Land- und Forstwirtschaft, Geografie sowie dem Tourismus. Somit können Gärtner und Landwirte Erkenntnisse daraus ziehen, wann der richtige Zeitpunkt für die Aussaat von Pflanzen oder den Rückschnitt von Bäumen und Sträuchern ist.

Der phänologische Pfad Seit Juli 2018 kann auf dem Naturhof Malchow ein phänologischer Pfad entdeckt werden. Dieser zeigt den Verlauf der Jahreszeiten, welche jedoch nicht nach den vier kalendarischen Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter unterteilt sind, sondern nach den zehn Phasen des phänologischen Kalenders. Bestimmte, periodisch wiederkehrende Erscheinungen in der Natur und Tierwelt sind die Zeiger der verschiedenen phänologischen Jahreszeiten.

Das können die Rückkehr bestimmter Zugvögel, der erste Kuckucksruf im Jahr o der charakteristische Entwicklungsstadien bestimmter Zeigerpflanzen sein. Diese dienen als Anzeichen für Beginn oder Ende der jeweiligen Phase, die je nach Jahr und Region unterschiedlich auftreten können. So markiert beispielsweise der Blühbeginn des Wiesenfuchsschwanzes das Ende des Vollfrühlings. Dies findet in Nordrein- Westfalen zwischen Mitte April und Anfang Juni statt, in Mecklenburg Vorpommern hingegen ungefähr eine Woche später.

Lassen Sie sich von den Naturboten inspirieren, vielleicht können Sie sie dann auch in Ihrem Garten oder am Wegesrand entdecken. Diese Hinweise helfen, die Aussaat oder den Rückschnitt von Gehölzen besser planen zu können.